Eine Studie der Bertelmann-Stiftung stellt  einen beschämenden Betreuungsschlüssel in  Berliner Kinderkrippen fest

Für die LKR ist die Verbesserung der Qualität von Kinderkrippen ein vordringliches Ziel, das schnellstens umgesetzt werden muss. Kinder und Familien brauchen endlich eine starke Lobby in unserer Stadt.

Die gerade veröffentlichte Studie der Bertelsmann-Stiftung „Ländermonitor Frühkindliche Bildungssysteme“ dokumentiert erneut in erschreckender Weise, wie wenig Berlin die Jüngsten seiner Bewohner wert sind. In Berlin werden fast doppelt so viele Kinder im Alter unter 3 Jahren von einem Erzieher betreut, wie im Durchschnitt aller westlichen Bundesländer (6,2 versus 3,8). Wenn man bedenkt, dass zusätzlich etwa 1/3 der Erzieher-Arbeitszeit durch Verwaltungsarbeit, Fortbildung u.ä. verloren geht, steht für die direkte pädagogische Arbeit und Betreuung noch weniger Zeit zur Verfügung. Viele Kinderkrippen können eigentlich nur noch als „Kinderbewahranstalten“ angesehen werden. Das Schlimme dabei ist, dass gerade für die Entwicklung von Kleinstkindern eine zeitintensive Betreuung von großer Bedeutung ist, was pädagogisch unbestritten sein dürfte.
Die Bertelsmann-Studie stellt zudem fest, dass in Berlin 11.500 ErzieherInnen fehlen und hierfür ein Finanzbedarf von zusätzlichen 508 Millionen Euro erforderlich sind. Bei diesem Bedarf steht Berlin nach dem einwohnerstarken NRW sowie Sachsen an der traurigen Spitze, wofür sich unsere Stadt schämen sollte. Hieran wird übrigens auch das kürzlich beschlossene neue Kita-Gesetz nicht viel ändern, da bereits heute freie Erzieherstellen kaum besetzt werden können.

Durch die demnächst geltende Beitragsfreiheit in Krippen können zusätzliche Probleme befürchtet werden. Dadurch werden mutmaßlich noch mehr Kinder in die Kitas gezogen und verschärfen dadurch das Betreuungsproblem noch zusätzlich. Vom Landeselternausschuss Kita wurde kürzlich darauf hingewiesen, dass für Kinder aus bildungsfernen Schichten die Beitragsfreiheit mutmaßlich ohnehin keinen großen Einfluss hat, da sie schon heute meist beitragsbefreit sind.

Die LKR fordert, dass für Kinder in Kinderkrippen und Kitas ein qualitativ gutes Betreuungsangebot garantiert werden muss. Hierzu gehört in erster Linie ein Personalschlüssel, der sich an pädagogischen Empfehlungen orientiert. Es ist unverantwortlich, Kinder mit dem Versprechen von Bildungschancen zu locken, dann aber nur eine „Aufbewahrung“ anzubieten.