gesundheitsfond

Der Gesundheitsfond

 

10. Oktober 2016: Der Chef der Techniker Krankenkasse  hat sich jetzt  getraut, den massiven Missbrauch von Geldern des Gesundheitsfonds  öffentlich zu machen. Er schätzt, dass durch erschlichene Zuwendungen der beteiligten Krankenkassen ein Schaden von 1 Milliarde Euro jährlich entsteht. Das entspricht nach seiner Berechnung etwa  0,3 Beitragspunkte – ein ganz erheblicher Betrag zulasten der Patienten.

Möglich macht diesen Missbrauch ein falsch konstruiertes Finanzierungsmodell unseres Gesundheitssystems, in dem ein sinnvoller Wettbewerb zwischen den Krankenkassen kaum  möglich ist und falsche Leistungsanreize gesetzt werden.

Wie funktioniert der Gesundheitsfond:

Seit 2009 gibt es den Gesundheitsfond. Darin werden alle Beiträge der gesetzlich Versicherten gesammelt und anschließend auf die einzelnen Krankenkassen verteilt. Dieses Verfahren ist insofern sinnvoll, als dass Krankenkassen nicht dafür bestraft werden sollen, dass sie viele Mitglieder mit niedrigem Einkommen und niedrigen Beitragszahlungen haben. Sinnvollerweise wird bei der Verteilung der Gelder an die einzelnen Krankenkassen auf Alter, Geschlecht und Schwere ausgewählter Erkrankungen geachtet.

Wieso ist ist die Verteilung der Versichertengelder schwierig`?

Alter und Geschlecht lassen sich leicht bestimmen. Wie stellt man jedoch schwerwiegende Erkrankungen mit erhöhtem Kostenbedarf fest? Bisher läuft das so:

  • Seit Jahren müssen die niedergelassenen Ärzte alle Diagnosen des Patienten nach einem komplizierten System verschlüsseln (ICD). Für die Arztpraxen bedeutet das einen hohen Aufwand ohne irgendeinen Nutzen für den Patienten.
  • Die Krankenkassen haben ein hohes Interesse daran, dass die Erkrankungen ihrer eigenen Patienten möglichst „hochwertig“ verschlüsselt werden. Durch Selektivverträge, Regressandrohungen, kleine Bonuszahlungen uä. versuchen diverse Kassen, für sie günstige Kodierungen zu erhalten. Das ist der Punkt, der laut Chef der Techniker Krankenkasse zu einem jährlichen Schaden in Höhe von etwa 1 Milliarde Euro führt.
  • Nur ganz nebenbei: Eigentlich sind ärztliche Daten vertraulich und sollten auch nicht an Krankenkassen gelangen – bei Übermittlung von Diagnosen interessiert sich offensichtlich niemanden für den Datenschutz.

 

Welche Fragen stellen sich im Zusammenhang mit dem Gesundheitsfond und dem Wettbewerb zwischen den Krankenkassen?

Die LKR möchte selbstverständlich auch im Gesundheitssystem Wettberwerb ermöglichen. Der Wettbewerb muss jedoch sinnvoll und fair sein, was derzeit nicht der Fall ist. Es stellen sich folgende Fragen:

  • Brauchen wir tatsächlich mehr als 100 verschiedene gesetzliche Krankenkassen – nützt das irgendjemanden? Werden derart viele Krankenkassen für einen fairen Wettbewerb benötigt?
  • Brauchen wir einen Wettbewerb um „wirtschaftliche“ Patienten?
    Sollen diejenigen Krankenkassen überleben, die am kreativsten bei der Gewinnung „günstiger“ Patienten sind?
  • Gibt es Wettbewerbsmöglichkeiten der Krankenkassen auf der Ausgabenseite?
    Alle gesetzlichen Krankenkassen müssen die gleichen gesetzlich genau definierten Leistungen anbieten, die den medizinischen Basisbedarf absichern – wo soll da sinnvoller Wettbewerb entstehen?
    Unterschiedliche Leistungen der einzelnen Krankenversicherungen gibt es heute in erster Linie im Bereich von Zusatzleistungen, wie Bauchtanzkursen, Wellnessleistungen u.ä. – ist das sinnvoll? Derartige Leistungen haben in der gesetzlichen Basisversicherung nichts zu suchen.
  • Macht es Sinn, wenn jede einzelne Krankenkassen mit jedem Leistungsanbieter (Ärzte, Krankenhäuser, Pharmafirmen etc). spezielle Verträge aushandelt? Es gibt Bereiche, wo Einzelverträge zu sinnvollem Wettbewerb führen können. Schädlich sind hingegen falsche Leistungsanreize durch „Rosinenpickerei“ – wie bereits heute zunehmend zu beobachten ist.
  • Sinnvoll sein kann das Angebot verschiedener Versicherungstarife, wie dem Hausarztmodell, Selbstbeteiligung, Teilnahme an Präventionen usw. Hierdurch entsteht jedoch eigentlich kein sinnvoller Wettbewerb zwischen den einzelnen Krankenkassen. Vielmehr soll verantwortungsvoller Umgang mit der eigenen Gesundheit und den Resourcen des Gesundheitssystem belohnt werden und das unabhängig von der Krankenkasse.
  • Wettbewerb ist möglich und sinnvoll bei freiwilligen Zusatzleistungen, wie Akupunktur, Homöopathie, uvm. Hierbei kann sich der Versicherte an seinen eigenen Bedürfnissen und Prioritäten orientierten und diejenige Versicherung auswählen, die das interessanteste Angebot hat. Freiwillige Zusatzleistungen werden jedoch nicht aus den Beiträgen der gesetzlich Pflichtversicherten honoriert, spielen bzgl. des Gesundheitsfonds also auch keine Rolle.


Wo ist im Bereich der gesetzlichen Pflichtversicherung Wettbewerb sinnvoll (im heutigen System)?

 

 

 

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