grexit

 

Deutschland kann den Grexit ohne Hilfe anderer Länder erreichen.

 

Wenn die Eurozone schrittweise aufgelöst oder verkleinert werden soll, dann muss dies  durch Ausscheiden der Weichwährungsländer erfolgen. Es müssen  immer  die schwächsten Länder zuerst ausscheiden, also derzeit  Griechenland.

 

 

Freie Zusammenfassung eines Auszugs einer Analyse von Bernd Lucke vom 24.10.2017.

Deutschlands Veto im ESM kann den Grexit problemlos durchsetzen

Es ist relativ einfach, einen griechischen Euro – Austritt zu  bewirken: Deutschland hat im ESM ein Veto – Recht und kann daher weitere Hilfskredite an  Griechenland verhindern. Wir brauchen  noch nicht einmal die Zustimmung der anderen Euro – Staaten,  um das zu tun.  Wenn Deutschland den ESM blockiert, ist Griechenland vermutlich insolvent und muss damit  aus dem Euro ausscheiden, weil die EZB ihm in einem solchen Fall die Geldversorgung abschneiden  muss.

 

Erfahrungen durch Austritt eines kleinen Landes

Mit dem Austritt des wirtschaftsschwachen Griechenlands aus dem Euro könnten Erfahrungen gesammelt werden, wie sich ein Euroaustritt gut gestaltet lässt.

 

Der griechische Staat ist Verlierer bei Einführung der Drachme
                    – er ist sowieso pleite.

Da eine  Drachme gegenüber dem Euro (und allen anderen Währungen) abwerten würde, wären die Besitzer  von Auslandsvermögen im Vorteil. Das Problem trifft die Schuldner, die den  ausländischen  Schuldendienst in Euro leisten müssen, obwohl die inländische Währung Drachme ist und alle  inländischen Preise und Löhne auf Drachme lauten.

Der größte griechische Schuldner ist bekanntlich der griechische Staat, der faktisch pleite ist. „Pleite“ ist kein steigerungsfähiges Wort.  Im schlimmsten Fall erhöht sich die Insolvenzquote Griechenlands in dem Maße, in dem die in Euro nominierten Auslandsschulden aufwerten. Die  griechischen Gläubiger haben dann aufgrund der höheren Insolvenzquote  höhere Verluste, die sich allerdings auf alle Euro – Staaten (und einige Banken und Privatanleger) verteilen.

Target – Salden

Für einen Staat wie  Griechenland  ist das  Target – Problem  recht klein. Griechenland hat zwar Target – Schulden  gegenüber der EZB.  Es wird seine Schulden jedoch sowieso nie bezahlen können, denn Griechenland ist faktisch insolvent. Das Ausscheiden Griechenlands aus dem Euro wäre also bzgl.  seiner Target – Salden  einfach.

 

Griechische Staatsinsolvenz

Griechenland erklärt seine Staatsinsolvenz und tilgt weder  Staatsschulden noch Target  –  Verbindlichkeiten vollständig. Die EZB macht einen entsprechenden Verlust, den sich alle verbleibenden Eurostaaten teilen müssen.

Die anderen EU – Staaten wären vermutlich froh, wenn der lästige Kostgänger Griechenland freiwillig ginge 

 

Vorteile für Griechenland

Die griechische Wirtschaft würde sich aufgrund der Abwertung der Drachme beleben. Dann stiegen die Steuereinnahmen des Staates und damit seine Fähigkeit, Schuldendienst zu  leisten. Wenn die Steuereinnahmen stark steigen, kann es sein, dass der Staat durch den Euroaustritt  sogar zahlungsfähiger wird.

Ein ähnliches Argument gilt für die griechischen  Exporteure. Soweit sie Auslandsschulden haben, denen kein mindestens gleichwertiges Auslandsvermögen gegenübersteht, droht ihnen die  Überschuldung. Aber gleichzeitig haben sie durch die Abwertung der Drachme sehr viel günstigere  Gewinnerwartungen, denn sie können  preisgünstiger  exportieren, was ihre Zahlungsfähigkeit erhöht.

Nicht alle Unternehmen werden nach Abwertung der Drachme überleben können. Die Insolvenz nicht überlebensfähiger Unternehmen ist jedoch wichtiger Bestandteil der Marktwirtschaft.

 

Deutschland kann die Verkleinerung der Eurozone ohne Zustimmung anderer Länder erreichen. Beginnend mit Griechenland sind die Risiken überschaubar.

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Vollständige Analyse zur Verkleinerung der Eurozone von Prof.  Bernd Lucke:

https://lkr.de/warum-nicht-raus-aus-dem-euro